In diesem Leitfaden lernst du, wie Du durch eine klare Trainingsprogression, von den Grundlagen bis zur vollständigen Bewegung, einen zuverlässigen Tennis-Kick-Aufschlag entwickeln kannst.
Inhaltsverzeichnis Einleitung Der Schlüssel zum Kickaufschlag: die Griffhaltung Warum Rotation beim Kickaufschlag entscheidend ist Technische Voraussetzungen für den Tennis Kick Aufschlag Ausgangssituation Grundverständnis vermitteln Übung 1: Handfläche als Rampe Übung 2: Handfläche als Rampe mit Schläger Übung 3: Aufwärtsschlagen über dem Kopf Übung 4: Hinknien mit Kurzgriff Übung 5: Aus der Trophy-Position hoch über das Netz Übung 6: Kickaufschlag mit Auftaktbewegung Übung 7: Beinaktion integrieren Fazit Einleitung Das Erlernen des Tennis Kick Aufschlags gehört zu den wichtigsten Entwicklungsschritten eines Tennisspielers und stellt gleichzeitig eine große Herausforderung dar. Der Aufschlag ist aufgrund seiner Komplexität der schwierigste Schlag im Tennis. Warum sonst schaffen es selbst Profispieler häufig nicht, von zwei Versuchen mindestens einen Aufschlag sicher ins Feld zu spielen?
Mit zunehmender Entwicklung vom Kindes- ins Jugendalter gewinnt die Spieleröffnung immer mehr an Bedeutung. Steigende athletische Fähigkeiten und höhere Schlaggeschwindigkeiten erfordern eine Aufschlagtechnik, die Sicherheit mit Druck verbindet. Genau hier spielt der Kickaufschlag eine zentrale Rolle. Mit wachsender Spielstärke reicht es nicht mehr aus, den Ball lediglich ins Feld zu bringen. Der Aufschlag muss stabil sein und gleichzeitig verhindern, dass der Aufschläger sofort unter Druck gerät. Doch auch im Erwachsenenbereich ist das Erlernen des Tennis Kick Aufschlags äußerst sinnvoll.
Der Schlüssel zum Kickaufschlag: die Griffhaltung Viele erwachsene Spieler machen die Erfahrung, dass ihr Aufschlag keine wirkliche Waffe darstellt, sondern eher ein reines Reinspielen ins Feld ist. Häufig wird dabei mit Vorhandgriff aufgeschlagen. Genau hier liegt eine der größten Schwierigkeiten beim Erlernen eines stabilen Kickaufschlags.
Spieler lernen den Aufschlag in der Regel zunächst mit Vorhandgriff, da sich mit dieser Griffhaltung schnelle Erfolgserlebnisse einstellen. Die Schlägerfläche zeigt automatisch in Schlagrichtung, wodurch der Ball vergleichsweise leicht ins Aufschlagfeld gespielt werden kann. Der Spieler schafft es, den Punkt zu eröffnen, was gerade zu Beginn auch das wichtigste Ziel ist.
Spätestens jedoch, wenn Ambitionen und Schlaggeschwindigkeiten steigen, zeigt sich der große Nachteil dieser Technik . Beim zweiten Aufschlag führt der Vorhandgriff entweder zu einem deutlichen Anstieg der Doppelfehlerquote oder dazu, dass sich der Aufschläger sofort in einer defensiven Situation wiederfindet. Die Ursache liegt in der fehlenden Rotation.
Warum Rotation beim Kickaufschlag entscheidend ist Wird der Aufschlag mit Vorhandgriff ausgeführt, ist es kaum möglich, dem Ball eine effektive Rotation mitzugeben. Nach dem Treffpunkt fliegt der Ball relativ gerade nach vorne. Um jedoch hohe Schlaggeschwindigkeiten mit ausreichender Sicherheit über das Netz zu kombinieren, ist eine Vorwärtsrotation notwendig.
Durch diese Rotation entsteht physikalisch ein Unterdruck, der den Ball nach dem Überqueren des Netzes wieder nach unten zieht. Dadurch kann der Spieler den Ball höher über das Netz schlagen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Zusätzlich bietet die Rotation einen weiteren entscheidenden Vorteil. Je nach Untergrund springt der Ball nach dem Bodenkontakt deutlich höher ab, was für den Rückschläger eine unangenehme Returnhöhe erzeugt.
Diese beiden Aspekte, das sichere Überqueren des Netzes und der hohe Absprung nach dem Aufkommen, machen den Kickaufschlag zu einer besonders effektiven Aufschlagvariante, vor allem im leistungsorientierten Tennis.
Technische Voraussetzungen für den Tennis Kick Aufschlag Viele Spieler tun sich mit dem Erlernen des Kickaufschlags schwer, da bestimmte technische Voraussetzungen zwingend erfüllt sein müssen, damit diese Aufschlagform überhaupt möglich ist.
Die erste zentrale Voraussetzung ist die Griffhaltung. Nur mit einem Kontinental- oder Rückhandgriff ist es möglich, den Ball aufwärts zu schlagen und ausreichend Rotation zu erzeugen. Die zweite entscheidende Voraussetzung ist der Ballwurf. Der Treffpunkt muss sich über dem Kopf befinden, weshalb der Ballwurf exakt an diese Position angepasst werden muss.
Werden diese beiden Grundlagen nicht verstanden und umgesetzt, ist ein stabiler Tennis Kick Aufschlag faktisch nicht möglich. Die Aufgabe des Trainers besteht daher darin, die komplexe Aufschlagbewegung in ihre Einzelbestandteile zu zerlegen und diese Schritt für Schritt zu vermitteln.
Ausgangssituation Der Schüler hat bisher ausschließlich gerade mit Vorhandgriff aufgeschlagen. Die Gegner nutzen diesen sogenannten Einwurf zunehmend aus und erzielen immer mehr direkte Punkte mit dem Return . Um dem entgegenzuwirken, versucht der Schüler, den Ball schneller über das Netz zu schlagen. Da er jedoch nur gerade aufschlagen kann, muss die Schlaghöhe über dem Netz sinken. Das Resultat sind zahlreiche Doppelfehler.
Der Trainer möchte dem Schüler nun den Kickaufschlag vermitteln, um mehr Sicherheit beim zweiten Aufschlag zu schaffen und gleichzeitig den Gegner unter Druck zu setzen.
Grundverständnis vermitteln Im ersten Schritt bespricht der Trainer gemeinsam mit dem Schüler die aktuelle Situation. Er erklärt, welche technischen Anpassungen notwendig sind, damit der Ball aufwärts geschlagen werden kann. Dabei wird verdeutlicht, dass das Netz immer der erste Gegner ist, den es zu überwinden gilt.
Ziel ist es, das Netz mit einer möglichst hohen Flugkurve zu überqueren. Der Trainer stellt den Vergleich zum Vorhand-Topspin her und erklärt, warum es sinnvoll ist, den Ball mit Vorwärtsdrall über das Netz zu schlagen. Eine höhere Flugbahn ermöglicht es, mit mehr Geschwindigkeit zu spielen und dennoch ausreichend Sicherheit zu behalten.
Übung 1: Handfläche als Rampe Der Trainer demonstriert dem Schüler mit einem Ball in der Hand das Prinzip des Topspin-Aufschlags. Beide positionieren sich etwa zwei Meter vor dem Netz. Der Trainer hält die Schlaghand waagerecht und fixiert den Ball auf der linken Handfläche über der Stirn.
In der Folge wird der Ball mit einer Vorwärtsrotation über die linke Handfläche gerollt. Der Ball fliegt nun in einer klaren Aufwärtsbewegung und mit Vorwärtsdrall über das Netz. Diese Übung sorgt häufig für den ersten Aha-Moment beim Spieler.
Verstehen der Bewegung: Die Handfläche wird als "Rampe" verwendet.
Übung 2: Handfläche als Rampe mit Schläger Nun wird Übung 1 erweitert. Der Ablauf bleibt gleich, allerdings wird die Rotation jetzt nicht mehr mit der Schlaghand, sondern mit dem Schläger erzeugt. Dafür ist ein Kontinental- oder Rückhandgriff zwingend erforderlich.
Der Trainer zeigt dem Schüler die korrekte Griffhaltung und erklärt, wie der Schläger in der Hand liegen muss. Zusätzlich vermittelt er eine einfache Hilfestellung, um den Griff schnell zu finden, etwa den Schläger wie einen Hammer zu halten.
Hand als Rampe: im Anschluss wird der Schläger verwendet. Übung 3: Aufwärtsschlagen über dem Kopf Jetzt hält der Schüler den Schläger im Kurzgriff. Ziel ist es, die in Übung 1 und 2 erlernte Aufwärtsbewegung mit einem kleinen Ballwurf zu kombinieren. Der Ball soll in einem möglichst hohen Bogen über das Netz gespielt werden.
Trainer und Schüler positionieren sich etwa zwei Meter vor dem Netz. Der Ball wird leicht hochgeworfen und mit dem Kurzgriff in einer klaren Aufwärtsbewegung über das Netz geschlagen.
Diese Übung schult das Bewusstsein dafür, dass der Ball über dem Kopf getroffen werden muss. Sobald mehrere erfolgreiche Versuche gelingen, geht es weiter in der Progression und es folgt die nächste Übung.
Übung 4: Hinknien mit Kurzgriff Diese Übung eignet sich besonders gut, um den korrekten Ballwurf und die Treffpunktposition zu erlernen. Trainer und Schüler stehen an der T-Linie, der Schüler kniet seitlich zum Netz.
Durch das Hinknien kann der Schüler seine Position nicht mehr verändern. Ein sauberer Ballwurf ist daher zwingend notwendig, um den Ball über das Netz zu spielen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Wird der Ball nicht parabelförmig leicht nach links geworfen, gerät der Schüler aus dem Gleichgewicht.
Der Schläger bleibt im Kurzgriff, die Schlagbewegung erfolgt vorwärts und aufwärts. Wichtig ist, dass die Bewegung direkt nach dem Treffpunkt stoppt und nicht durchgeschwungen wird. Optimalerweise zeigt die Schlägerspitze nach dem Treffpunkt nach oben.
Mit der Trainingshilfe Topspin Pro kann die richtige Position des Ballwurfes simuliert werden. Wenn der Spieler Schwierigkeiten mit dem Wurf hat, kann der Trainer ihn unterstützen, indem er den Wurf für einige Versuche übernimmt oder die richtige Wurfrichtung vorführt. Sehr oft kommt es bei dieser Übung schnell zu einem Aha-Effekt.
Sobald Ballwurf und Schlagbewegung sicher ausgeführt werden, stellt sich der Schüler wieder normal an die T-Linie und führt die Bewegung im Stand aus. Es wird weiterhin mit Kurzgriff aufgeschlagen.
Durch das Hinknien kann der Körper nicht angepasst werden und der Ballwurf wird elementar. Übung 5: Aus der Trophy-Position hoch über das Netz Nun wird der Schläger wieder normal im Kontinentalgriff gehalten. Der Schüler schlägt weiterhin von der T-Linie auf, ohne Zielzonen oder Feldgrenzen. Ziel ist es, den Ball mit Topspin möglichst hoch und weit über das Netz zu spielen.
Aufschlag aus der "Trophy Position" Der Trainer bringt den Spieler nun in die "Trophy Position". Der Spieler steht in einer seitlichen Haltung, wobei bei Rechtshändern der linke Fuß in Richtung des rechten Netzpfostens zeigt. Der Schläger wird nach oben gestreckt, sodass die Schlägerspitze zur Decke zeigt. Es ist wichtig, nicht aus einer sogenannten „Rucksackposition” zu starten. Warum das so ist, zeigt Michael Kreuzer in unserem Video Tennis Techniktraining - Modul Aufschlag .
Der Ball wird parabelförmig leicht nach links geworfen und mit einer schwungvollen Aufwärtsbewegung geschlagen. Der Ausschwung erfolgt über die linke Seite.
Übung 6: Kickaufschlag mit Auftaktbewegung Nun folgt der erste vollständige Aufschlag von der T-Linie. Feldgrenzen spielen weiterhin keine Rolle. Die Auftaktbewegung wird ergänzt, der Schüler kann zunächst Trockenschwünge durchführen.
Sobald mehrere erfolgreiche Aufschläge gelingen, vergrößert der Trainer schrittweise die Distanz. Der Schüler nähert sich mit weiteren Aufschlägen der Grundlinie. Ziel ist es, den Tennis Kick Aufschlag sicher über das Netz zu spielen und den Ballwurf zunehmend zu stabilisieren. Der Trainer passt bei Bedarf den Schwierigkeitsgrad an.
Übung 7: Beinaktion integrieren Diese Übung ist optional und sollte nur ergänzt werden, wenn die vorherigen Übungen sicher beherrscht werden. Die Beinaktion ist ein wichtiger Bestandteil eines dynamischen und kraftvollen Aufschlags.
Zunächst wird die Bewegung ohne Ball geübt. Der Schüler führt aus der Auftaktbewegung die Oberkörperrotation in die Trophy-Position aus, schiebt die linke Hüfte zur Grundlinie und geht mit den Beinen tief.
Anschließend wird die Streckbewegung aus den Beinen trainiert. Der Schüler springt über die Grundlinie, landet auf dem linken Bein im Feld und hält das Gleichgewicht. Das rechte Bein bewegt sich entgegengesetzt nach hinten.
Optional oder für die Folgestunden: Die Beinaktion wird ebenfalls mit ins Training aufgenommen. Erst wenn dieser Bewegungsablauf sicher ist, wird der Aufschlag mit Ball durchgeführt.
Fazit Diese Progression führt den Schüler systematisch und zielgerichtet zum Tennis Kick Aufschlag. In den folgenden Trainingseinheiten wird der Bewegungsablauf weiter gefestigt und schrittweise verfeinert. Später liegt der Fokus verstärkt auf Platzierung und taktischem Einsatz im Spiel.
Wichtig ist, den Kickaufschlag über mehrere Wochen regelmäßig zu üben. Treten Fehler in einzelnen Schlüsselpositionen auf, sollten diese isoliert und konzentriert trainiert werden, bevor der gesamte Bewegungsablauf wieder zusammengesetzt wird. Weniger Inhalte intensiv zu trainieren führt langfristig zu den besten Ergebnissen.